PROJEKTE

 

Im Rahmen unserer intensivpädagogischen Kleinstgruppenbetreuung durchlaufen die Betreuten zusätzlich zur schulischen Ausbildung fünf bis sechs inhaltlich gestaltete Projekte, deren Gegenstand zum Teil vorgegeben, zum Teil von den Betreuten mitbestimmt und mitgestaltet wird.

 

Diese Projekte sind Bestandteil des eng strukturierten und festgelegten Alltags und haben unterschiedlichste Funktionen. Zunächst soll der Langeweile, die in der Vergangenheit oftmals Voraussetzung für dissoziales Verhalten war, entgegen gewirkt werden. Während der Projektzeit, in der Regel am Nachmittag von 16.00 bis 18.30, ist in der Regel eine 1:1 Betreuung gegeben. So kann dem Jugendlichen höchstmögliche Aufmerksamkeit gewidmet werden, der betreute hat jemanden „für sich ganz alleine“.

 

Die unterschiedlichen Themen der  Projekte sollen Interessen aufdecken oder wecken, neue Denk- und Lösungsstrategien aufzeigen und Selbstbewusstsein stärken. Ebenso wird die Erfahrung gemacht, dass man Freizeit auch alleine erleben und sinnvoll gestalten kann, die Clique nicht unabdingbar ist. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Erweiterung  eigener Fähigkeiten etwa im Handwerklichen Bereich, was auch bei der späteren Berufswahl hilfreich sein kann.

 

Für die zeitliche Abfolge gibt es eine präverierte Reihenfolge, so wie unten beschrieben. Diese ist belegungstechnisch nicht immer einzuhalten, da nur jeweils ein Jugendlicher ein Projekt durchlaufen kann. 

TIERE

 

Im ersten Projekt wird der Jugendliche mit der Versorgung, Pflege und Betreuung der Tiere beauftragt. Dies stellt eine nicht unerhebliche Verantwortung dar.

Sie lenkt den Fokus weg von der eigenen Person und den vielfältigen Problemlagen hin auf eine völlig neue Beschäftigung.

 

Dem Jugendlichen wird recht schnell klar das die Tiere von seiner Versorgung abhängig sind und somit auch von seiner Kontinuität in der Betreuung und seinem Durchhaltevermögen. Der Jugendliche lernt so selbstverantwortlich Aufträge und Pflichten zu erfüllen.

 

Ebenso haben Tiere im allgemeinen einen positiven Einfluss auf das psychische Wohlbefinden von Kindern, sie können gestreichelt werden, sind umgänglich aber brauchen auch Aufmerksamkeit.

SPORT

 

In diesem Projekt geht es um Bewegung und Spaß. In der Regel sind die Betreuten nur sehr selten regelmäßig einer sportlichen Betätigung nachgegangen.

 

Interessen sollen geweckt werden, der Zusammenhang zwischen Bewegung und körperlichem Wohlbefinden soll deutlich werden.

 

Nahezu alle Sportarten sind denkbar, aber auch hier wird Kontinuität und Ausdauer gefordert.

GARTEN

 

Beim Gartenprojekt liegt der Schwerpunkt wieder in der Übernahme von Verantwortung verbunden mit Bewegung und dem sichtbaren Ergebnis einer  kontinuierlichen Arbeit.

 

Es ist unzweifelhaft ein ganz besonderes Ereignis wenn man eine Pflanze, die man täglich gepflegt und beim wachsen beobachtet hat, irgendwann Früchte trägt die dann zur Ergänzung des Speiseplanes der Gruppe beitragen.

 

Der Jugendliche lernt außerdem mit den vorhandenen Ressourcen sparsam umzugehen da z.B. Wasser in dieser Region ein knappes Gut ist. Das Gartenprojekt lässt den Jugendlichen Freiraum für eigene Gestaltungsmöglichkeiten in wunderschöner und ruhiger Umgebung.

 

Oftmals werden Erfahrungen und Fragen zu den Pflanzen in den Biologieunterricht eingebracht und bearbeitet. Das Gartenprojekt ist aufgrund der Wetterverhältnisse ebenfalls ganzjährig möglich. 

TECHNIK

 

Das Projekt Technik ist ein wichtiger Schritt hin zur Berufsfindung und Berufsvorbereitung und umfasst die Bereiche Mechanik, Sanitär, Elektrik, Motoren, Bauhandwerk, Holz und Metall.

 

Da die Jugendlichen aufgrund ihrer Biographie oftmals über eine sehr lückenhafte Schulbildung verfügen und deshalb meist eine praktische und körperliche Arbeit ausüben werden, verstehen wir das Handwerksprojekt als eine Vorbereitung auf ein zukünftiges Berufsleben. Zudem bekommt der Jugendliche die Möglichkeit  einer praktischen Lebenshilfe um später in der Lage zu sein einfache handwerkliche und technische Dinge selbständig zu erledigen wie z.B. ein Zimmer zu streichen, ein Siffon zu reparieren oder zu tapezieren.

 

Das Erfolgserlebnis ein eigentlich kaputtes Gerät wieder zum funktionieren zu bringen und die Erkenntnis nicht alles sofort wegwerfen zu müssen weckt Ehrgeiz und Motivation. Das Erkennen von Zusammenhängen regt die  Neugier an den Dingen auf den Grund zu gehen und erschließt den Jugendlichen oftmals eine neue Welt. Sie lernen Lösungsstrategien auf andere Probleme zu übertragen und erweitern maßgeblich ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten auch im sensomotorischen Bereich.

KREATIV

 

Im Kreativprojekt bekommen die Jugendlichen die Möglichkeit mit den verschiedensten Medien gestalterisch und kreativ umzugehen. 

 

In dem sogenannten „Musentempel“, einem zum Tal hin offenen Pavillon, wird getöpfert, gemalt und geknetet.

 

Die Jugendlichen bauen aus den verschiedensten Materialien Instrumente zum musizieren oder haben die Möglichkeit Skulpturen aus Metallen zu schweißen oder zu löten. Die verschiedensten Wirkungen von Farben, Formen und Werkstoffen und der kreative Umgang damit ist Ziel dieses Projektes.

ZUKUNFT

 

In dieser letzten Stufe der Projektarbeit steht das Ausarbeiten einer Perspektive, sowohl was den persönlichen als auch den beruflichen Weg angeht, im Vordergrund.  Im Dialog mit dem Betreuer können die Jugendlichen eine Perspektive für die Zukunft entwickeln. Sind schon genug Schritte getan um wieder in Deutschland Fuß zu fassen und den positiven Weg den sie eingeschlagen haben weiter zu gehen? Geht der Weg in die Verselbständigung, zurück in die Familie oder eine andere Wohnform? Welche Wünsche sind realistisch und wo findet eine Überschatzung statt?

 

Im Bezug auf berufliche Perspektiven halten die Jugendlichen zuerst Rückschau auf die vorangegangenen Projekte und bedenken die jeweiligen Stärken und Schwächen mit den einzelnen Arbeitsinhalten. Welches Projekt ihnen am nächsten war, wo es am meisten Spaß gemacht hat und in welcher Ausbildung oder welchem Beruf diese Stärken einzubringen sind oder noch schulische Abschlüsse gemacht werden müssen.

 

In diesem Rahmen bietet sich auch die Möglichkeit in verschiedenen Branchen hier ein Praktikum zu absolvieren.

 

Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf der Vermittlung der Fähigkeit eigenständig Informationen aus den verschiedensten Medien zu sammeln (Internet, Broschüren, Institutionen, Zeitungen etc.) und somit zu lernen Perspektiven und konkrete Möglichkeiten zu erarbeiten. Reflektion und der weitere Weg in die Selbstverantwortung sind somit die Themen des Zukunftsprojektes.